Der wahre Reichtum der Schweiz findet sich in keiner Bankbilanz. Es sind ihre landschaftliche Vielfalt und ihre artenreichen Lebensräume: Wiesen, Seen, Flüsse, Laub- und Nadelwälder oder auch Felslandschaften, die manchmal an Gletscher grenzen – die Liste ist lang. Im Vergleich zu 2010 hat sich die Biodiversität verbessert, doch es gibt noch viel Raum für Fortschritte.
Doch schon seit langem ist dieser Reichtum, der mittlerweile sehr fragil geworden ist, keine Selbstverständlichkeit mehr. Seit Mitte des 20.Jahrhunderts haben die intensive Landnutzung, der hohe Ressourcenverbrauch, der städtische Druck und die Stickstoffeinträge die natürlichen Kreisläufe erheblich verändert. Wertvolle Lebensräume sind stark zurückgegangen oder wurden umgestaltet. Eines der auffälligsten Beispiele ist das Verschwinden der Moore, deren Gesamtfläche seit 1900 um 95 % zurückgegangen ist.
Diese Entwicklung ist Gegenstand der jüngsten Publikation der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaften mit dem Titel «Biodiversität verstehen und handeln», die den Zustand der Biodiversität in der Schweiz und die Veränderungen, denen sie insbesondere in den letzten 15 Jahren unterworfen war, darstellt. Der Bericht betont, dass die Förderung der Biodiversität erfolgreich sein kann, wenn sie zielgerichtet und kohärent umgesetzt wird.
Endlich positive Signale
So hat sich die Lage für viele Arten verbessert. Dies gilt beispielsweise für den Grünspecht, die Blaumeise oder den Eisvogel, deren Bestände nach jahrzehntelangem Rückgang wieder zunehmen. Tatsache ist, dass wir bereits in der Lage sind, die Lebensräume in Kulturlandschaften auf eine Weise zu bewirtschaften, die der Artenvielfalt zugutekommt.
Hinzu kommen neue städtebauliche Ansätze, wie die Schaffung von Gartenstraßen in unseren Städten und Dörfern. Diese Gartenstraßen bieten zahlreichen Pflanzen- und Tierarten Lebensraum inmitten eines betonierten Wohngebiets. Diese Straßen, die mit einheimischen und klimaresistenten Arten bepflanzt sind, machen unsere Stadtviertel lebenswerter, indem sie für eine natürliche Klimatisierung sorgen und das Hochwasserrisiko verringern.
Der Druck bleibt bestehen, und manche Fälle bleiben unbemerkt
Allerdings ist die Biodiversität in der Schweiz weiterhin vielfältigen, sich gegenseitig verstärkenden Belastungen ausgesetzt: intensive Landnutzung, Umweltverschmutzung, invasive gebietsfremde Arten, Klimawandel.
Unter diesen verschiedenen Belastungsfaktoren gibt es einen, der fast unbemerkt bleibt: die staatliche finanzielle Unterstützung für Aktivitäten, die der Biodiversität schaden, beispielsweise im Energie- oder Verkehrsbereich. In einer im Jahr 2020 durchgeführten Studie hat das Forschungsinstitut WSL 162 Subventionen, Steuererleichterungen und andere finanzielle Anreize identifiziert, die sich negativ auf die Biodiversität auswirken. Die Abschaffung dieser schädlichen Subventionen hätte einen doppelten positiven Effekt, da dadurch nicht nur die noch vorhandene Biodiversität erhalten bliebe, sondern auch Mittel freigesetzt würden, um geschädigte Lebensräume wiederherzustellen und zu stärken und damit die Qualität und den biologischen Reichtum unserer Landschaften zu verbessern.
Die biologische Vielfalt ist lebenswichtig und von grundlegender Bedeutung. Sie sorgt für sauberes Wasser, fruchtbare Böden, Klimastabilität, Gesundheit, Schutz vor Naturgefahren und Lebensqualität. In den letzten Jahren wurden Fortschritte erzielt, und die derzeitigen Bemühungen müssen fortgesetzt und intensiviert werden. Aber es ist noch nichts gewonnen: Die jüngsten Beschlüsse des Parlaments, die darauf abzielen, den Gewässerschutz zu schwächen, gehen leider nicht in die richtige Richtung…