Der Flughafen Sion muss sich auf den Luftrettungsdienst und auf Innovation konzentrieren. Man sollte das Referendum unterschreiben.
Der Grosse Rat des Kantons Wallis hat am Donnerstag, dem 12. März, das „Gesetz über die Verwaltungs- und Betriebsgesellschaft des Flughafens Sion“ verabschiedet und damit dessen Kantonalisierung besiegelt. Hinter diesem Gesetz verbergen sich ehrgeizige und umstrittene Entwicklungsziele: die Verdreifachung der kommerziellen Flüge, die Erhöhung der täglichen Flugfrequenz und die Gewinnung einer Kundschaft aus dem Bereich der Privatjets.
Angesichts der gravierenden Widersprüche dieses Projekts zu den Klimazielen des Kantons – ganz zu schweigen von der Luftverschmutzung, der Lärmbelästigung und dem erheblichen wirtschaftlichen Risiko – haben die Walliser Grünen ein Referendum lanciert. Gemeinsam mit Umweltverbänden und anderen Parteien fordern wir, dass die Bevölkerung zu einem Projekt dieser Tragweite, das alle Gemeinden und alle Steuerzahler betrifft, Stellung nehmen kann.
Eine schwerwiegende wirtschaftliche Bilanz und nicht eingehaltene Versprechen
Seit Mitte der 2000er Jahre habe ich dieses Thema als gewählter Vertreter zunächst in der Legislative und anschließend bis 2019 in der Exekutive der Stadt Sitten aktiv verfolgt. Die Bilanz ist eindeutig: Trotz wiederholter Misserfolge bei der Einrichtung von Flugverbindungen zu europäischen Zielen, trotz Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe und wiederkehrender Betriebsverluste wiederholt die Mehrheit der Verantwortlichen immer wieder dieselbe Leier. Sie beharren darauf, diesen Flughafen weiter auszubauen, der als unverzichtbar für den wirtschaftlichen und touristischen Wohlstand dargestellt wird, obwohl sich drei internationale Flughäfen (Genf, Zürich, Mailand) in einem Umkreis von 200 km befinden, die alle bequem mit dem Zug oder dem Auto erreichbar sind.
Angesichts der angespannten Lage der Kantonsfinanzen stellt sich eine einfache Frage: Ist es gerechtfertigt, erhebliche öffentliche Mittel in eine defizitäre Infrastruktur zu investieren, deren direkter Nutzen für die Mehrheit der Bevölkerung begrenzt bleibt?
- Der Flughafen verzeichnet derzeit einJahresdefizit von rund 3 Millionen Franken.
- Das Entwicklungsprojekt siehtjährliche Zusatzinvestitionen in Höhe von 3 bis 6 Millionen Franken vor, die sich der Kanton, alle Gemeinden und die Stadt Sitten teilen.
Für viele Walliser Gemeinden, die keinen konkreten Nutzen aus dem Flughafen ziehen, ist dieser Beitrag kaum zu rechtfertigen.
Eine Tendenz zum Luxus auf Kosten des öffentlichen Dienstes
Der Flughafen Sion entfernt sich gefährlich von seinem Auftrag als öffentlicher Dienstleister. Er verwandelt sich nach und nach in einen Hub für Privatjets, der einer privilegierten Minderheit vorbehalten ist. Während die Mehrheit der Bürger*innen Anstrengungen unternimmt, ihren CO₂-Fußabdruck zu verringern, und unter steigenden Lebenshaltungskosten leidet, profitiert eine Elite von mit öffentlichen Geldern finanzierten Infrastrukturen, um mit Privatjets zu reisen. Diese Situation schafft eine inakzeptable soziale und ökologische Ungerechtigkeit.
Die Alternative der Schiene und ökologischer Menschenverstand
Anstatt massiv in eine Luftverkehrsinfrastruktur mit begrenztem Nutzen zu investieren, ist es dringend notwendig, die bestehende Infrastruktur, insbesondere die Schiene, auszubauen. Das Schienennetz verbindet das Wallis bereits mit den grossen Schweizer und europäischen Städten. Eine Verbesserung dieser Verbindungen, beispielsweise nach Mailand, oder die Entwicklung von «Schnee-TGVs» würde der Bevölkerung konkrete Vorteile bieten. Dies würde den täglichen Verkehr erleichtern und gleichzeitig die touristische Attraktivität des Kantons steigern, ohne die CO2-Bilanz in die Höhe zu treiben.
Was das Referendum fordert
Es ist wichtig, daran zu erinnern:Das Referendum zielt nicht darauf ab, den Flughafen zu schließen.
Die derzeitigen Aktivitäten – Wartung, Luftrettung, Ausbildung und Innovationszentrum für die Elektrofliegerei – können problemlos fortgeführt werden, ohne dass dafür hohe Investitionen erforderlich sind, die von allen Steuerzahlern im Wallis finanziert werden müssen. Das Ziel besteht lediglich darin, den kostspieligen und klimaschädlichen Ausbau zu stoppen.
Ich hoffe, dass das Referendum zustande kommt und dass die Walliser Bevölkerung endlich über dieses für die Zukunft unseres Kantons entscheidende Thema abstimmen kann. Es ist an der Zeit, das Allgemeinwohl und die Nachhaltigkeit vor die gigantischen Projekte einer Minderheit zu stellen.