Am 8. März stimmen wir über die SRG-Initiative «200 Franken sind genug» ab. Ihre Annahme würde den nationalen Zusammenhalt gefährden und den sprachlichen und geografischen Minderheiten einen schweren Schlag versetzen.
Vielleicht haben Sie seit Jahresbeginn ein- oder zweimal die Fernsehnachrichten gesehen. Oder eine Sportsendung, einen Film oder eine politische Debatte verfolgt. Vielleicht haben Sie sogar einen Podcast über Neujahrsvorsätze gehört. Wenn ja, gehören Sie wie ich zur grossen Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer, die regelmässig Inhalte unseres öffentlich-rechtlichen Rundfunks, der SRG, konsumieren.
Die SRG ist in allen Regionen des Landes präsent, informiert und unterhält uns und bietet uns einen fairen Zugang zu reichhaltigen und vielfältigen Inhalten in allen Landessprachen. Dieses hochwertige Angebot ist heute ernsthaft bedroht.
Die Initiative «200 Franken sind genug» ist nichts anderes als ein Frontalangriff auf den Service public, wie wir ihn kennen. Eine Senkung der Gebühr auf 200 Franken pro Jahr würde der SRG massive finanzielle Einbussen bescheren. Konkret würde dies zur Streichung zahlreicher Programme, zum Verschwinden bestimmter Sender oder lokaler Redaktionen und zum Verlust von Tausenden von Arbeitsplätzen in den Bereichen Medien, Kultur und Sport führen.
Die grössten Sportorganisationen des Landes – Swiss Olympic, der Schweizerische Fussballverband und viele andere – lehnen diese Initiative entschieden ab. Und das aus gutem Grund: Ohne SRG gäbe es keine kostenlosen Sportübertragungen mehr, weniger Sichtbarkeit und damit einen Einbruch der Sponsorengelder. Die Kulturwelt würde das gleiche Schicksal ereilen.
Es sei auch daran erinnert, dass die Gebühr in den letzten Jahren bereits stark gesunken ist und bis 2030 weiter sinken wird, bis sie 300 Franken erreicht. Die SRG ist daher bereits gezwungen, erhebliche Einsparungen vorzunehmen. Ihr Budget wird bis zum Ende des Jahrzehnts um 20 % gekürzt worden sein. Abendliche Sportsendungen sind bereits verschwunden, ebenso wie bestimmte Kurzformate. Und das ist erst der Anfang. Wenn die Initiative angenommen wird, werden die Kürzungen so umfangreich sein, dass es unmöglich wird, Studios in der Romandie, im Tessin und in den Randregionen aufrechtzuerhalten.
Alles läuft Gefahr, in Zürich zentralisiert zu werden. Das Wallis und die anderen sogenannten Randregionen haben dabei alles zu verlieren.
Schließlich, und das ist vielleicht das Schlimmste, ist auch der Zugang zu zuverlässigen, überprüften und unabhängigen Informationen bedroht. In einer Welt, die mit Fake News und durch künstliche Intelligenz generierten Inhalten übersättigt ist, bildet die SRG einen wichtigen Schutzwall gegen Desinformation. Sie garantiert eine gesunde demokratische Debatte und ermöglicht es jedem Einzelnen, sich eine fundierte Meinung zu bilden.
Aus all diesen Gründen ist es von grundlegender Bedeutung, unser öffentlich-rechtliches Fernsehen und Radio zu verteidigen, das eine Säule der Demokratie, ein Motor unseres kulturellen Lebens und ein Bindeglied unserer Vielfalt ist. Am 8. März werde ich klar mit NEIN zur Initiative «200 Franken sind genug» stimmen .
Christophe Clivaz